
🕊️ Checkliste für die ersten Tage: Orientierung im Moment der Sprachlosigkeit
Wenn die Welt plötzlich stillsteht, bricht oft eine Welle von Emotionen, aber auch von organisatorischen Fragen über uns herein. In diesem Moment der tiefen Trauer und Lähmung soll Ihnen diese Übersicht als kleine Stütze dienen. Sie hilft Ihnen und Ihren Angehörigen, Schritt für Schritt das Notwendigste zu regeln – in Ihrem ganz eigenen Tempo.
✨ 1. Zeit nehmen und Erinnerungen schaffen
Der wohl wichtigste Schritt ist der, den Sie nicht rückgängig machen können: Nehmen Sie sich Zeit für den Abschied. Sie müssen nicht sofort funktionieren.
- Erinnerungen festhalten: Fragen Sie im Krankenhaus nach Fuß- und Handabdrücken Ihres Kindes oder nehmen Sie (wenn möglich) eine kleine Haarlocke.
- Fotos machen: Scheuen Sie sich nicht, Fotos zu machen. Wenn Sie es sich selbst nicht zutrauen, können Sie kostenfrei und bundesweit die Fotografen der Dein-Sternenkind Stiftung (DE, AT, CH, Südtirol)
kontaktieren.
Die Stiftung verfügt über ein riesiges Netzwerk von Hunderten ehrenamtlichen Fotografen. - Telefon (Zentrale Notfallnummer): +49 (0) 9406 - 95 88 755
- Ausweichnummer bei Störungen: +49 (0) 2334 - 50 46 495
- Online-Anforderung: Über die Website Dein-Sternenkind Stiftung können Eltern oder Kliniken direkt ein Alarmierungsformular ausfüllen.
- SternenkindFotografie e.V.
Ein weiterer großer Verein, der Einsätze koordiniert. - Online-Anforderung: Direkt über die Plattform SternenkindFotografie e.V. per Notfall-Formular.
Wie läuft die Kontaktaufnahme ab?
Sobald Sie oder das Krankenhaus die Organisation kontaktieren, wird ein digitaler Sammelruf ("Alarm") an alle registrierten Fotografen in Ihrer Nähe gesendet. Wer Zeit hat und am schnellsten bei Ihnen sein kann, nimmt den Einsatz an und kommt direkt zu Ihnen in die Klinik oder nach Hause.
Machen Sie sich keine Sorgen über den richtigen Zeitpunkt: Die Fotografen sind darauf eingestellt, sehr kurzfristig und hochgradig pietätvoll zu agieren. Auch wenn die Geburt schon etwas zurückliegt, lohnt sich ein Anruf.
Sie kommen ins Krankenhaus und schaffen unschätzbare Erinnerungsschätze.
- Ihr Kind halten: Wenn Sie das Bedürfnis haben, Ihr Kind im Arm zu halten, anzuziehen oder zu waschen, fordern Sie diese Zeit im Krankenhaus ein. Das Pflegepersonal wird Sie dabei unterstützen.
📝 2. Medizinische und rechtliche Formalitäten
Je nach Schwangerschaftswoche und Geburtsgewicht gelten in Deutschland unterschiedliche rechtliche Regelungen (Fehlgeburt oder Totgeburt). Das Krankenhaus stellt die notwendigen Dokumente aus.
- Ärztliche Bescheinigung: Das Krankenhaus stellt eine Bescheinigung über die Geburt aus.
- Meldung beim Standesamt:
- Bei einer Totgeburt (ab 500g oder ab der 24. SSW) wird die Geburt beim Standesamt des Geburtsortes beurkundet. Sie erhalten eine offizielle Urkunde.
- Bei einer Fehlgeburt (unter 500g / vor der 24. SSW) besteht in Deutschland seit 2013 das Recht, dem Kind beim Standesamt offiziell einen Namen zu geben und eine Bescheinigung eintragen zu lassen („Sternenkind-Regelung“).
- Mutterschutz: Bei einer Totgeburt steht der Mutter der reguläre Mutterschutz (meist 18 Wochen) zu. Sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt.
🏛️ 3. Die Bestattung organisieren
Ob eine Bestattungspflicht besteht, hängt vom Bundesland und dem Gewicht des Kindes ab. Unabhängig davon haben Sie aber fast überall ein Bestattungsrecht.
- Bestatter kontaktieren: Suchen Sie sich ein Bestattungsinstitut, das Erfahrung mit Sternenkindern hat (oft gibt es spezialisierte Kinderbestatter). Sie nehmen Ihnen fast alle Behördengänge ab.
- Form der Bestattung wählen: Überlegen Sie in Ruhe, was zu Ihnen passt. Es gibt Sternenkind-Gemeinschaftsgrabfelder (oft kostenfrei oder sehr günstig), Familiengräber oder auch Waldbestattungen.
- Abschiedsfeier gestalten: Sie dürfen die Trauerfeier ganz individuell gestalten. Musik, sanftes Licht, bunte Luftballons oder das gemeinsame Bemalen einer kleinen Holzkiste – erlaubt ist, was Ihnen Trost spendet.
🤍 4. Hilfe annehmen und für sich sorgen
Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. Es ist keine Schwäche, in diesen Tagen Aufgaben abzugeben.
- Hebammenhilfe: Jeder Frau steht nach einer Geburt (auch nach einer stillen Geburt) Hebammenhilfe zur Rückbildung und emotionalen Unterstützung zu. Kontakten Sie Ihre Hebamme.
- Angehörige einbinden: Bitten Sie Freunde oder Familie, alltägliche Dinge zu übernehmen (Einkaufen, Kochen, Behörden-Telefonate, Betreuung von Geschwisterkindern).
- Professionelle Begleitung: Wenn der Schmerz zu erdrückend wird, scheuen Sie sich nicht, Kontakt zu Organisationen wie den Verwaisten Eltern oder der Initiative Regenbogen aufzunehmen.
Hinweis für Betroffene: Drucken Sie sich diese Liste gerne aus oder leiten Sie sie an jemanden weiter, der Ihnen in diesen Tagen den Rücken freihält. Sie müssen nicht alles auf einmal schaffen.